Durst

Veröffentlicht am 20. Juli 2020
Ein Priester wird zum Vampir, bekommt Superkräfte und einen seltsamen Durst nach Blut und Sex: Absurder Horror aus Asien, der Lust auf mehr macht.
Wer glaubt Horrorfilme sind meist so inszeniert, dass sie bloß dazu  als Mutprobe für Jugendliche dienen, dem rate ich sich weiter hinab in die Tiefen des filmischen Grauens zu wagen. Abseits von den heute allgegenwärtigen grauenhaften Genre-„Klassikern“ wie Saw, Paranormal Activity oder Scream, hat der Horrorfilm mehr als nur Jumps Scares und Torture Porn zu bieten. Schon in den sechziger Jahren kam der Giallo auf. Eine Art italienischer Kunst-Horrorfilm, der mit filmischen Effekten das Grauen hervorkehrt. Die stilbewusste Inszenierung im Giallo lässt einen erst so richtig erschauern. Ebenfalls leider eher noch ein Geheimtipp sind asiatische, speziell südkoreanische, Horrorfilme. Diese erinnern durch ihre gekonnte und stilvolle Inszenierung häufig an den Giallo, doch konzentrieren sie sich mehr als dieser auf psychologische Aspekte der Erzählung. Das Grauen wird hier nicht in erster Linie wie im Giallo durch die affektive Suggestionskraft der Bilder hervorgerufen, sondern durch die kognitive Reflexion des Erzählten.
Vom Priester zum sex- und blutgierigen Vampir: Kang-ho Song in Durst
In Park Chan-woon´s Durst nimmt ein streng gläubiger Priester an einem gewagten medizinischen Experiment teil. Er nimmt dabei die Gefahr zum Krüppel zu werden auf sich, in der Hoffnung anderen damit zu helfen. Das Experiment scheitert und er stirbt wie 50 Andere. Gerade als sein Totengebet gesprochen wird, erwacht er wieder von den Toten. Die Menschen halten ihn deswegen für heilig und bitten ihm mit seinen Sonderkräften zu helfen. Daher verrichtet er seinen Dienst im Krankenhaus. Doch dann kommt seine Krankheit zurück. Er hat auf einmal einen seltsamen Durst nach Blut. Also trinkt er von einem Patienten, der im Koma liegt etwas Blut, es kommt ihm seltsam vor. Um seine Unsterblichkeit zu testen, springt er aus dem Fenster des Krankenhauses. Und überlebt. Das kommt ihm noch seltsamer vor. Er stellt mehr erstaunt als erfreut fest, dass er ein Vampir ist. Eigentlich wollte er mit der Teilnahme am Experiment Gutes für die Menschen tun, aber nun dürstet es ihn nach allen möglichen Sünden. Insbesondere nach Blut und Sex. Deshalb plagen ihn Höllenqualen. Denn innere Selbstzweifel treffen auf ständige Lust. Der Priester begegnet einen Engel des Todes und verliebt sich in ihn. So gerät er immer mehr in den Zwiespalt zwischen des Verlangens nach Blut und Liebe. Es stellt sich die Frage: Ist die Liebe des Priesters so stark, dass er für sie töten würde?

Ausgehend von dem Dilemma dieser Hin-und Hergerissen-Seins entwickelt sich die Geschichte immer weiter. Horror, der unter die Haut geht, trifft auf bitterböse Absurdität. Das ist immer wieder so schockierend, dass es physisch wehtut. Auch das erinnert an den Giallo. Festzuhalten bleibt: Durst ist einer von vielen guten Horrorfilmen aus Südkorea. Seine Surrealität macht Durst nach mehr von solchen Filmen.
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